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Baumpflanzung in Uganda: Staatsforstdienst vs. Privatinitiative

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Die National Forestry Authority: Aufforstung als Staatsaufgabe

Die National Forestry Authority — kurz NFA — ist die ugandische Bundesbehörde, die seit ihrer Gründung im Jahr 2003 für die Verwaltung der sogenannten Central Forest Reserves zuständig ist. Das sind jene Waldgebiete, die unter direktem staatlichem Schutz stehen und nicht für Privatnutzung freigegeben sind. Insgesamt umfassen diese Reservate rund 506.000 Hektar, verteilt über das gesamte Land — vom dichten Regenwald im Westen bis zu den trockeneren Savannenwäldern im Norden und Osten.

Die Aufgaben der NFA sind breit gefächert: Sie überwacht Abholzung, leitet Aufforstungsprogramme, verwaltet die Einnahmen aus genehmigter Holzwirtschaft und koordiniert die Zusammenarbeit mit internationalen Partnerorganisationen. Doch in der Praxis stößt die Behörde an klare Grenzen. Das Budget ist chronisch unterfinanziert — der ugandische Staatshaushalt stellt nur einen Bruchteil des Bedarfs zur Verfügung. Für größere Programme ist die NFA daher auf externe Geldgeber angewiesen: die Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen (FAO), die Weltbank, die Europäische Union sowie bilaterale Geber aus Norwegen und Deutschland.

Das führt zu einer strukturellen Abhängigkeit, die vielen Forstexperten vor Ort Sorgen bereitet. Wenn Förderprogramme auslaufen, stocken auch die Pflanzaktionen. Mitarbeiter berichten, dass in manchen Jahren geplante Pflanzflächen nicht bearbeitet werden konnten, weil Gelder nicht rechtzeitig freigegeben wurden. Gleichzeitig fehlt es an ausgebildetem Personal: Forstingenieure und Ranger sind in Uganda rar, die Ausbildungskapazitäten an den Hochschulen begrenzt.

Kamuli District: Ein Beispiel für lokales Forstmanagement

Kamuli liegt im Osten Ugandas, etwa 130 Kilometer nördlich von Jinja — einer der weniger bekannten Regionen des Landes, die internationale Reisende selten besuchen. Dabei ist der Distrikt aus Forstsicht interessant: Er zeigt exemplarisch, wie staatliches und privates Forstmanagement auf Bezirksebene miteinander interagieren.

Auf Distriktebene sind in Uganda sogenannte District Forest Officers (DFOs) tätig, die formal der NFA rechenschaftspflichtig sind, aber organisatorisch unter der lokalen Distriktbehörde arbeiten. In Kamuli wurde in den vergangenen Jahren ein ambitioniertes Forstmanagementprogramm aufgelegt: Bis 2029 bzw. 2030 sollen sieben Naturschutzmanagementpläne für verschiedene lokale Schutzgebiete und Gemeindewälder fertiggestellt und umgesetzt werden. Jeder Plan legt fest, welche Flächen aufgeforstet werden sollen, welche Baumarten zum Einsatz kommen und wie die Bevölkerung eingebunden wird.

In Gesprächen mit lokalen Verantwortlichen im Oktober 2024 wurde deutlich, dass die Pläne auf dem Papier gut durchdacht sind — die Umsetzung jedoch hakt. Finanzierungslücken, Personalengpässe und mangelnde Koordination zwischen Distriktbehörde und NFA-Zentrale in Kampala bremsen den Fortschritt. Ein Forstbeamter in Kamuli beschrieb die Lage so: „Wir wissen genau, was zu tun wäre. Aber ohne Mittel kommen wir nicht vom Fleck."

Beim zweiten Besuch im Januar 2026 hatte sich das Bild leicht verbessert: Zwei der sieben Managementpläne befanden sich in aktiver Umsetzung. Auf rund 200 Hektar waren in der Zwischenzeit Bäume gepflanzt worden — teils mit staatlichen Mitteln, teils durch ein von der EU mitfinanziertes Gemeindeprogramm. Ein kleiner, aber sichtbarer Fortschritt.

Private Aufforstung: Wirtschaftliche Interessen und ökologische Folgen

Neben dem Staat pflanzen in Uganda auch Private Bäume — und das in erheblichem Umfang. Wer durch das ugandische Hochland fährt, sieht es überall: Eukalyptusplantagen, die in gleichmäßigen Reihen die Hügel bedecken, und Kiefernforste, die an europäische Wirtschaftswälder erinnern. Diese Plantagen sind kein Zufall, sondern das Resultat wirtschaftlicher Kalkulation.

Eukalyptus (vor allem Eucalyptus grandis) wächst in Uganda ausgesprochen schnell — unter günstigen Bedingungen können Bäume in sieben bis zehn Jahren Erntegröße erreichen. Das Holz wird als Bauholz und für die Holzkohleproduktion verwendet. Holzkohle ist in Uganda nach wie vor der wichtigste Energieträger für Millionen von Haushalten, die keinen Zugang zu Strom haben oder sich elektrische Energie nicht leisten können. Der Markt für Holzkohle ist enorm, und Eukalyptusplantagen gelten als rentable Investition — selbst für kleinere Landbesitzer.

Kiefern (Pinus patula, Pinus caribaea) werden dagegen eher von größeren Investoren oder durch staatlich geförderte Privatpartnerschaften angebaut. Ihr Holz eignet sich für die Möbel- und Bauindustrie. Einzelne Kommunen und NGOs haben Kiefernpflanzprogramme initiiert, teils auch im Rahmen von Kohlenstoffzertifikaten — ein Ansatz, der in Uganda zunehmend an Bedeutung gewinnt, aber auch kritisch diskutiert wird.

Das ökologische Problem dieser Exotenplantagen ist bekannt: Eukalyptus und Kiefer verdrängen einheimische Vegetation, verbrauchen große Mengen an Grundwasser und bieten der einheimischen Tierwelt kaum Lebensraum. Eine Eukalyptusplantage ist zwar grün, aber kein Wald im ökologischen Sinne. Für Vögel, Insekten und Reptilien bleibt sie weitgehend lebensfeindlich. Gleiches gilt für den Boden: Die Nadelstreu von Kiefern versauert ihn langfristig und macht eine Rückkehr zur ursprünglichen Flora schwierig.

Dennoch wäre es zu einfach, private Aufforstung pauschal zu verurteilen. In manchen Gegenden haben Privatplantagen immerhin verhindert, dass Flächen vollständig brachlagen oder für intensiven Ackerbau gerodet wurden. Und es gibt zunehmend private Initiativen, die bewusst auf einheimische Baumarten setzen — oft in Kooperation mit NGOs oder internationalen Umweltorganisationen.

Natives vs. Exoten: Was wirklich für die Biodiversität zählt

Die Frage, ob einheimische oder fremde Baumarten gepflanzt werden sollen, ist in Uganda keine rein akademische Debatte. Sie hat handfeste ökologische und soziale Konsequenzen.

Einheimische Baumarten — wie Maesopsis eminii (Musizi), Albizia coriaria, Ficus-Arten oder Markhamia lutea — bieten entscheidende Vorteile: Sie sind an das lokale Klima und die lokalen Böden angepasst, bilden Symbiosen mit einheimischen Pilzen und Bakterien, bieten Nahrung und Unterschlupf für hunderte von Tierarten und tragen langfristig zum Aufbau komplexer Waldökosysteme bei. Außerdem sind viele von ihnen resilienter gegenüber lokalen Schädlingen und Trockenperioden als eingeführte Arten.

Der Haken: Sie wachsen langsamer. Während Eukalyptus in zehn Jahren erntereif ist, brauchen viele einheimische Baumarten zwanzig, dreißig oder mehr Jahre, um eine nennenswerte Größe zu erreichen. Für einen Kleinbauern, der Holz als Einkommensquelle plant, ist das ein entscheidender Nachteil. Und auch staatliche Programme werden oft daran gemessen, wie schnell sie Hektarzahlen und Pflanzmengen vorweisen können — nicht daran, ob die gepflanzten Arten ökologisch sinnvoll sind.

Ugandas nationale Aufforstungsprogramme haben in den vergangenen Jahren Millionen von Bäumen gepflanzt — zumindest nach offiziellen Angaben. Doch Experten warnen, dass ein erheblicher Teil davon Exoten sind und dass die Überlebensrate der gepflanzten Setzlinge oft weit unter 50 Prozent liegt. Pflanzen ohne anschließende Pflege führt nicht zum Waldaufbau, sondern zu Feldern voller abgestorbener Stecklinge.

Fortschrittliche Programme — wie sie etwa von der Jane Goodall Foundation, Trees for the Future oder bestimmten NFA-Projekten durchgeführt werden — versuchen, wirtschaftliche Anreize und ökologische Qualität zu verbinden: Ein Teil der Fläche wird mit schnell wachsenden Nutzholzarten bepflanzt, die der Bauer ernten darf; der andere Teil mit einheimischen Arten, die langfristig dem Wald dienen. Dieses Mischmodell zeigt vielversprechende Ergebnisse — setzt aber intensive Beratung und Nachverfolgung voraus.

Bwindi: Community-Tree-Planting als Teil des Schutzkonzepts

Wer den Bwindi Impenetrable Forest besucht, denkt zunächst an Gorillas. Doch der Park ist auch ein Lehrstück dafür, wie Aufforstung als Teil eines umfassenden Schutzkonzepts funktionieren kann. Die Uganda Wildlife Authority (UWA), die den Park verwaltet, arbeitet seit Jahren mit den umliegenden Gemeinden zusammen — und Baumpflanzung ist dabei ein zentrales Instrument.

Das Konzept: Gemeinden dürfen bestimmte Ressourcen aus dem Pufferbereich des Parks entnehmen — etwa Brennholz, Bambus für den Hausbau oder Heilpflanzen. Im Gegenzug verpflichten sie sich, für jede entnommene Menge Bäume zu pflanzen und zu pflegen. Dieses Community-Tree-Planting-Programm ist zwar kein vollständiger Ersatz für die entnommenen Ressourcen, schafft aber Verantwortungsbewusstsein und reduziert den Druck auf den Kernbereich des Parks.

Wichtig dabei: In Bwindi werden überwiegend einheimische Baumarten gepflanzt. Die UWA stellt Setzlinge in Baumschulen bereit, die aus lokal gesammelten Samen gezogen werden. Das sorgt für genetische Vielfalt und vermeidet den Import standortfremder Genotypen. Außerdem sind die Setzlinge an das spezifische Klima der Bwindi-Region angepasst — einem feuchten, kühlen Bergklima, das sich erheblich von den trockeneren Tieflandregionen Ugandas unterscheidet.

Die Erfahrungen aus Bwindi könnten als Vorbild für andere Schutzgebiete dienen — und teilweise tun sie das auch. Programme in Queen Elizabeth, Kibale und Murchison Falls greifen ähnliche Ansätze auf. Doch die Kapazitäten der UWA sind begrenzt, und die Finanzierung solcher Gemeindeprogramme hängt stark von Tourismuseinnahmen ab — die in Krisenjahren wie der COVID-Pandemie 2020/21 dramatisch einbrachen.

Das zeigt: Aufforstung in Uganda kann nicht auf einem einzigen Bein stehen. Sie braucht staatliches Engagement (NFA), private Mittel und wirtschaftliche Anreize, internationale Unterstützung durch Förderprogramme und — unverzichtbar — die aktive Mitwirkung der lokalen Bevölkerung. Kamuli illustriert die Herausforderungen, Bwindi zeigt, was möglich ist, wenn alle Akteure koordiniert zusammenarbeiten.

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