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Waldmanagement unter Klimawandel: Afrikas Wälder

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Das FAO-Handbuch: Warum "einfach mehr messen" nicht reicht

Die FAO veröffentlichte 2013 einen Leitfaden, der seither als Grundlagentext für klimaangepasstes Forstmanagement gilt. Der Titel ist nüchtern: "Climate Change Guidelines for Forest Managers". Der Inhalt ist es nicht. Das Dokument beschreibt ein fundamentales Dilemma: Forstmanager planen für Jahrzehnte — ein Baum, der heute gepflanzt wird, wird erst in 50 Jahren geerntet — aber die Klimamodelle, die ihnen zur Verfügung stehen, sind auf der lokalen Ebene zu ungenau, um verlässliche Vorhersagen zu machen.

Global funktionieren die Modelle gut: Die Erde erwärmt sich, der Niederschlag verlagert sich, Extremereignisse häufen sich. Aber ob in einem bestimmten Distrikt in Uganda die Niederschläge um 8 % oder um 22 % sinken werden — und in welcher Jahreszeit — das kann kein Modell mit ausreichender Sicherheit sagen. Für einen Forstmanager, der entscheiden muss, welche Baumarten er pflanzt und wo er Schutzkorridore anlegt, ist diese Unsicherheit kein akademisches Problem. Es ist sein Alltag.

Die FAO-Antwort darauf ist das Konzept des "Adaptive Management" — adaptives Management. Statt auf eine sichere Vorhersage zu warten, die nie kommen wird, empfiehlt der Leitfaden einen iterativen Ansatz: Handeln, beobachten, lernen, anpassen. Das klingt simpel. Es ist aber ein Paradigmenwechsel gegenüber klassischer Forstplanung, die auf stabilen Annahmen über Klima, Boden und Nachfrage aufgebaut war.

Adaptives Management: Systematisch mit Unsicherheit planen

Adaptives Management ist kein Schlagwort. Es ist eine strukturierte Methode, die in der Ökologie seit den 1970er Jahren entwickelt wurde und nun auf den Forstsektor übertragen wird. Das Grundprinzip: Jede Managemententscheidung wird als Hypothese behandelt. Man trifft eine Entscheidung (z. B. bestimmte Pufferzonen einzurichten), setzt sie um, misst die Ergebnisse und passt die nächste Entscheidung an. Der Wald wird zum Laboratorium.

Für afrikanische Forstmanager bedeutet das in der Praxis: Sie brauchen Monitoring-Systeme, die Klimadaten, Waldzustand und sozioökonomische Indikatoren gleichzeitig erfassen. Sie brauchen Entscheidungsrahmen, die explizit mit Szenarien arbeiten — "Was tun wir, wenn die Trockenzeit länger wird?" und "Was tun wir, wenn sie kürzer wird?" — statt auf eine Vorhersage zu setzen. Und sie brauchen institutionelle Flexibilität: Behörden, die schnell reagieren können, wenn neue Daten vorliegen.

In Uganda ist diese Flexibilität strukturell schwach ausgeprägt. Die NFA operiert mit begrenzten Budgets und ist auf Geberfinanzierung angewiesen. Entscheidungen über Central Forest Reserves durchlaufen bürokratische Prozesse, die Monate dauern können. Das ist kein Vorwurf — es ist eine strukturelle Realität, die in vielen Ländern des Globalen Südens zutrifft. Aber es zeigt, warum adaptives Management nicht nur eine Frage der Methodik ist, sondern auch eine Frage der Institutionen und des Finanzierungsrahmens.

Afrikas Wälder im Klimastress: Miombo und mehr

Afrika ist nicht gleich Afrika, wenn es um Wälder geht. Der Kontinent beherbergt einige der artenreichsten Regenwälder der Welt (Kongobecken, Bwindi), aber auch ausgedehnte Trockenwaldzonen wie die Miombo-Woodlands, die große Teile Sambias, Simbabwes, Malawis, Tansanias und Mosambiks bedecken. Diese Wälder sind ökonomisch entscheidend: In Sambia decken Einnahmen aus dem Wald — Holzkohle, Wildfrüchte, Heilpflanzen, Bauholz — schätzungsweise 10 bis 50 Prozent des Haushaltseinkommens ländlicher Familien.

Der Klimawandel trifft diese Ökosysteme auf mehreren Ebenen. Erstens verändert er die Niederschlagsmuster: Regenzeiten werden unberechenbarer, Trockenzeiten länger. Das wirkt sich direkt auf die Baumregeneration aus — viele Miombo-Arten keimen nur bei bestimmten Feuchtigkeitsbedingungen. Zweitens erhöht er die Häufigkeit und Intensität von Waldbränden, die in der Trockenzeit in offenen Waldlandschaften ohnehin endemisch sind. Drittens verschieben sich die Verbreitungsgebiete von Schädlingen und Krankheiten, was Baumarten unter Stress setzt, die bislang nicht betroffen waren.

Für die Bevölkerung bedeutet das eine Doppelbelastung: Die Wälder, von denen sie abhängen, werden produktiv schwächer — genau dann, wenn sie sie am meisten brauchen, weil auch die Landwirtschaft unter den Klimafolgen leidet. Der Druck auf verbliebene Waldflächen steigt, was Abholzung beschleunigt. Ein klassischer Teufelskreis.

Uganda: Zwischen Schutz, Nutzung und politischem Druck

Uganda hat in den letzten Jahren erhebliche Waldfläche verloren. Zwischen 1990 und 2015 schrumpfte die Waldbedeckung von rund 4,9 Millionen Hektar auf etwa 1,8 Millionen Hektar — ein Verlust von über 60 Prozent in 25 Jahren. Die Haupttreiber waren Landwirtschaft, Holzkohleproduktion und in einigen Regionen großflächige Plantagenentwicklung. Die Uganda Bureau of Statistics Statistical Abstracts, die ich für die Jahre 2012 bis 2025 ausgewertet habe, dokumentieren diese Entwicklung mit Jahresdaten zu Waldbedeckung, Landnutzung und Holzeinschlag.

Die Regierung reagierte mit einem nationalen Forstschutzplan und der Stärkung der NFA, die für die Central Forest Reserves zuständig ist. Diese Reservate umfassen Wälder, die nicht in Nationalparks liegen, aber dennoch unter staatlichem Schutz stehen. In der Praxis ist dieser Schutz allerdings unvollständig: Übergriffe, illegaler Holzeinschlag und die informelle Expansion von Siedlungen an Waldrändern sind verbreitet.

Ein viel zitiertes Beispiel für erfolgreichen Zivilgesellschaftsprotest ist die Kampagne von Nature Uganda, dem nationalen Partner von BirdLife International. Als die ugandische Regierung plante, rund 7.000 Hektar Central Forest Reserve für Zuckerrohrplantagen freizugeben, mobilisierte Nature Uganda wissenschaftliche Expertise, internationale Netzwerke und lokale Öffentlichkeit. Die Freigabe wurde gestoppt. Das zeigt: Zivilgesellschaft kann wirksam sein — aber sie kämpft gegen strukturell mächtigere wirtschaftliche Interessen.

Ich habe auf meinen Reisen nach Bwindi — Oktober 2024 für zwei Tage, Januar 2026 mit mehreren Besuchen — immer wieder gesehen, wie direkt die lokale Bevölkerung von der Pufferzone abhängt. Holzkohle ist das sichtbarste Produkt: Säcke werden auf Fahrrädern transportiert, an Wegrändern gestapelt, auf Märkten in Kabale verkauft. Diese Holzkohle kommt nicht aus dem Nationalpark selbst — die Kontrolle dort ist strikt — sondern aus der Pufferzone und aus privaten Landstücken am Waldrand. Für Familien ohne alternative Einkommensquelle ist es eine rationale Entscheidung. Für den Wald ist es eine schleichende Bedrohung.

Bwindi im Klimawandel: Was auf dem Spiel steht

Bwindi Impenetrable National Park ist kein typischer ugandischer Wald. Er ist eines der artenreichsten Ökosysteme des Kontinents — über 1.000 Pflanzenarten, mehr als 350 Vogelarten, und die Heimat von über der Hälfte der weltweiten Berggorilla-Population. Was diesen Wald zu einem Klimawandel-Hotspot macht, ist seine Lage: Er ist ein isoliertes Fragment eines einst zusammenhängenden Waldgürtels. Es gibt keine natürlichen Korridore, über die Arten ausweichen könnten, wenn sich die Klimabedingungen verändern.

Modellierungen zeigen, dass der montane Wald in Bwindi bei bestimmten Erwärmungsszenarien in höhere Lagen wandern würde — aber Bwindi hat eine Obergrenze. Der Park ist nicht unbegrenzt hoch. Arten, die speziell an montane Bedingungen angepasst sind, könnten ohne Ausweichmöglichkeit unter Druck geraten. Für die Berggorillas bedeutet das: Der Lebensraum könnte sich qualitativ verändern, selbst wenn er quantitativ erhalten bleibt.

Die direkte Bedrohung ist aber nicht das Klima — zumindest nicht kurzfristig. Es ist der Druck aus der Pufferzone. Auf meinen Besuchen habe ich mit Uganda Wildlife Authority-Rangers und lokalen Community Conservation-Mitarbeitern gesprochen. Sie bestätigen, was die Forschung zeigt: Die Waldrand-Degradation durch Holzkohle ist messbar. In manchen Abschnitten des Parks ist der Übergang zwischen Primärwald und degradierter Pufferzone erschreckend abrupt.

Das Paradoxe an Bwindi ist, dass der Gorilla-Tourismus gleichzeitig der stärkste Schutzmechanismus ist. Die Einnahmen aus Trekking-Permits fließen in Parkmanagement und Community-Programme. Familien, die vom Tourismus profitieren — als Ranger, als Guides, als Gästehaus-Betreiber, als Kulturgruppen-Mitglieder — haben ein ökonomisches Interesse daran, dass der Wald erhalten bleibt. Das ist kein idealistisches Konstrukt, sondern reale Kalkulation. Wenn der Tourismus bricht — durch Pandemie, politische Instabilität oder einen weiteren Sicherheitsvorfall — bricht auch dieser Anreiz weg.

Klimaangepasstes Waldmanagement in Bwindi bedeutet deshalb nicht nur Bäume. Es bedeutet: Einkommensalternativen für Gemeinden an der Waldgrenze stärken, damit Holzkohle weniger attraktiv wird. Es bedeutet: Monitoring-Systeme aufbauen, die Waldrandveränderungen frühzeitig erfassen. Und es bedeutet: Den politischen Willen erhalten, auch dann in Schutz zu investieren, wenn kurzfristige Wirtschaftsinteressen dagegensprechen — so wie es Nature Uganda beim Zuckerrohr-Fall erzwungen hat.

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