Die Batwa lebten über Generationen als Jäger und Sammler im Bwindi-Wald, bis die Gründung des Nationalparks 1991 ihr Leben von Grund auf veränderte. Dieser Artikel erklärt die Geschichte der Vertreibung, die heutige Situation der Batwa-Gemeinden und wie der Batwa Trail als kulturelles Angebot funktioniert.
Zahlen im Überblick
- 1991 — Jahr, in dem der Bwindi-Wald offiziell zum Nationalpark erklärt wurde. Die Batwa, die bis dahin dort als Jäger und Sammler lebten, mussten den Wald verlassen und sich in kleinen, abgetrennten Dörfern ansiedeln.
- 841 — Geschätzte Gesamtzahl der Batwa in den erfassten Siedlungen im Kanungu-Distrikt (Nordsektor von Bwindi) laut einer Erhebung aus dem Jahr 2022, verteilt auf 165 Haushalte.
- 2011 — Jahr, in dem die ugandische Naturschutzbehörde UWA den Batwa Trail im Mgahinga-Nationalpark einführte – die erste Tour, die auf dem früheren Waldleben der Batwa basiert.
- 2019 — Jahr, in dem ein separater, gemeinsam von UWA und Batwa-Gemeindemitgliedern getragener Trail im Bwindi-Bereich offiziell startete.
- 40 US$ — Preis für die Batwa Trail Experience in Bwindi laut UWA-Tarifliste 2024–2026, ohne Parkeintritt.
Die Vertreibung der Batwa: Wie die Nationalparkgründung 1991 ihr Leben veränderte
Kurzantwort: Mit der offiziellen Gründung des Nationalparks 1991 verloren die Batwa ihren angestammten Lebensraum im Bwindi-Wald und mussten sich in kleinen, abgetrennten Dörfern außerhalb des Waldes ansiedeln.
Bevor der Wald 1991 offiziellen Nationalparkstatus erhielt, lebten die Batwa dort als Jäger und Sammler. Mit der Vertreibung endete diese Lebensweise abrupt: Die Batwa mussten sich in neuen, kleinen Siedlungen ansiedeln, ohne Zugang zu dem Wald, der zuvor ihre Existenzgrundlage war.
Der General Management Plan des Bwindi Impenetrable National Park erkennt die kulturelle Bedeutung des Waldes für die indigenen Batwa und benachbarte Gemeinden ausdrücklich an, die ihren Lebensunterhalt traditionell aus dem Wald bezogen. Gleichzeitig benennt der Plan den eingeschränkten Zugang der Batwa zu bestimmten Waldressourcen als eines der zentralen Managementprobleme des Parks – ein Hinweis darauf, dass der Konflikt zwischen Naturschutz und den Rechten der ursprünglichen Waldbewohner bis heute nicht vollständig gelöst ist.
Aktuelle Situation: Bevölkerung, Lebensbedingungen und soziale Herausforderungen
Kurzantwort: Rund um Bwindi leben die Batwa heute in mehreren kleinen Siedlungen; eine Erhebung aus dem Jahr 2022 dokumentiert für den Nordsektor Bevölkerungszahlen sowie soziale Problemlagen in den untersuchten Gemeinden.
Für die Batwa-Siedlungen im Kanungu-Distrikt, dem Nordsektor von Bwindi, liegt eine Bevölkerungsschätzung aus dem Jahr 2022 vor: Sie erfasst mehrere Siedlungen, darunter Bikuuto, Buhoma, Byumba, Karehe, Kebiremu, Kihembe, Kitahurira, Kitariro, Mukongoro und Rurangara, und kommt für diesen Sektor auf insgesamt 841 Personen in 165 Haushalten.
Für die Batwa-Gemeinden im Kanungu-Distrikt dokumentiert dieselbe Erhebung zudem soziale Herausforderungen, darunter geschlechtsspezifische Gewalt, die mit erhöhtem Alkoholkonsum und Armut in Verbindung steht. Dies ist ein Befund, der sich auf die in dieser Erhebung untersuchten Siedlungen bezieht – keine allgemeingültige Aussage über alle Batwa-Gemeinden in Uganda oder Ostafrika.
Entwicklungsprogramme und Organisationen für die Batwa
Kurzantwort: Mehrere Organisationen – darunter der Bwindi Mgahinga Conservation Trust, ABEG und das Batwa Development Programme – arbeiten daran, die Batwa stärker in Parkprogramme und wirtschaftliche Angebote einzubinden.
Der General Management Plan des Bwindi Impenetrable National Park sieht die Beteiligung marginalisierter Gemeinden, insbesondere der Batwa, an ausgewählten Parkprogrammen vor. Konkret geplante Maßnahmen umfassen unter anderem die gemeinsame Inventarisierung von Heilpflanzen mit den Batwa und die Einrichtung von Kräuterdemonstrationsstätten außerhalb des Parks. Auch die Einbindung waldkundiger Batwa als Guides und die Weiterbildung jüngerer Generationen durch Batwa-Älteste sind Teil dieser Planung.
An der praktischen Umsetzung sind mehrere Organisationen beteiligt, darunter der Bwindi Mgahinga Conservation Trust (BMCT) sowie die Association of Batwa Empowerment Group (ABEG) und das Batwa Development Programme (BDP). Die beiden letztgenannten Organisationen stehen mit der Naturschutzbehörde UWA im Austausch über die Ausgestaltung eines Trail-Angebots im Bwindi-Nordsektor (Buhoma). Wie Tourismus-Einnahmen konkret an lokale Gemeinden verteilt werden, ist Thema eines eigenen Artikels.
Der Batwa Trail: Kulturelle Begegnung als touristisches Angebot
Kurzantwort: Der Batwa Trail ist eine geführte Wanderung, bei der Batwa selbst traditionelle Fertigkeiten wie Feuermachen, Kräuterheilkunde, Jagdtechniken sowie Musik und Tanz vermitteln – im Mgahinga-Nationalpark seit 2011, im Bwindi-Bereich seit 2019.
Im Juni 2011 rief die Naturschutzbehörde UWA den Batwa Trail im Mgahinga-Nationalpark ins Leben. Die Tour basiert auf dem früheren Leben der Batwa im Wald: Batwa, die selbst nicht mehr im Wald leben, besuchen ihren früheren Lebensraum, um Besuchern frühere Jagd- und Hüttenbaumethoden zu zeigen. Für die Batwa ist dies eine der wenigen Gelegenheiten, diese Wälder überhaupt noch aufzusuchen. Neben den praktischen Demonstrationen gehören auch Tanz- und Gesangsvorführungen sowie Informationen zu im Wald wachsenden Heilpflanzen und Kräutern zum Angebot.
Ein separater Batwa Trail im Bwindi-Bereich, auch "Batwa Experience" genannt, wurde im April 2019 mit Unterstützung des Nkuringo Cultural Centre und der Bwindi Batwa Development Organisation ins Leben gerufen und wird gemeinsam von UWA und Batwa-Gemeindemitgliedern getragen. Der Rundgang findet direkt innerhalb der Parkgrenze statt und umfasst von Batwa geführte, interpretative Wanderungen zu Feuermachen, Kräutermedizin, Jagdtechniken, Musik und Tanz sowie zu Orten von besonderer Bedeutung für die Batwa. Für den Bereich im Norden (Buhoma) verhandelt UWA zudem mit der Association of Batwa Empowerment Group und dem Batwa Development Programme über die künftige Ausgestaltung eines eigenen Angebots.
Die Batwa Trail Experience in Bwindi kostet 40 US-Dollar pro Person, exklusive Parkeintritt. Eine vorherige Buchung wird empfohlen. Wer sich generell für Gorilla-Trekking in Bwindi interessiert, findet dort weitere praktische Hinweise zur Reiseplanung.
Häufige Fragen
Warum wurden die Batwa aus dem Bwindi-Wald vertrieben?
Die Batwa lebten bis 1991 als Jäger und Sammler im Bwindi-Wald. Mit der offiziellen Ausweisung des Gebiets als Nationalpark in diesem Jahr wurde ihnen der Zugang zu ihrem angestammten Lebensraum entzogen, und sie mussten sich in kleinen, abgetrennten Dörfern außerhalb des Waldes ansiedeln.
Was ist der Batwa Trail und wie kann man ihn besuchen?
Der Batwa Trail ist eine geführte Wanderung, bei der Batwa selbst traditionelle Fertigkeiten wie Feuermachen, Kräutermedizin, Jagdtechniken sowie Musik und Tanz zeigen. Es gibt zwei getrennte Angebote: den Mgahinga-Batwa-Trail seit 2011 und einen separaten Trail im Bwindi-Bereich seit April 2019, der 40 US-Dollar ohne Parkeintritt kostet. Eine vorherige Buchung wird empfohlen.
Wie leben die Batwa heute rund um Bwindi?
Für den Kanungu-Distrikt im Nordsektor von Bwindi zählte eine Erhebung aus dem Jahr 2022 rund 841 Personen in 165 Haushalten, verteilt auf mehrere kleine Siedlungen. Dieselbe Erhebung zeigt in den untersuchten Gemeinden auch soziale Herausforderungen wie geschlechtsspezifische Gewalt, die mit Armut und Alkoholkonsum in Verbindung steht – ein Befund zu den erfassten Siedlungen, keine pauschale Aussage über alle Batwa.
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