Parkgebühren und Einnahmenbeteiligung sind zentrale Bausteine, um Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren rund um Bwindi zu entschärfen – neben Frühwarnsystemen, Community-Scouts und gezielten Schutzprogrammen wie HuGo.
Zahlen im Überblick
- 5% — So viel der Einnahmen aus Gorilla-Trekking-Permits fließen direkt an die Parkanrainer-Gemeinden rund um Bwindi.
- 1995 — In diesem Jahr etablierte Uganda National Parks erstmals eine offizielle Politik zur Einnahmenteilung mit Gemeinden neben Nationalparks.
- 84% (QEPA) — In der Queen Elizabeth Protected Area – nicht in Bwindi selbst – gehen die meisten registrierten Mensch-Wildtier-Konflikte auf Elefanten zurück.
- 1.809 — So viele Community-Wildlife-Scouts waren landesweit in Uganda bis Dezember 2025 ausgebildet und im Einsatz – nicht bwindi-spezifisch, sondern gesamtstaatlich erfasst.
- 50% — Um diesen Anteil sollten Mensch-Wildtier-Konflikte laut Bwindi-Managementplan bis zur Planperiode 2014-2023 reduziert werden – ein Zielwert, keine belegte Erfolgszahl.
Warum entstehen Mensch-Tier-Konflikte rund um Bwindi?
Kurzantwort: Landwirtschaftliche Expansion, Siedlungsdruck und der Klimawandel gelten als zentrale Treiber, wobei Elefanten als besonders konfliktträchtig auffallen.
Rund um Schutzgebiete wie Bwindi geraten Menschen und Wildtiere zunehmend in Konkurrenz um Land und Ressourcen. Die Uganda Wildlife Strategy 2020-2029 nennt den Klimawandel ausdrücklich als einen der drei Haupttreiber des Human-Wildlife Conflicts in Uganda. Hinzu kommt, dass landwirtschaftliche Expansion und menschliche Siedlungen zunehmend in Schutzgebiete und Wildtierkorridore vordringen, was Konflikte weiter verschärft. Ein sorgfältiges Waldmanagement in Uganda spielt hier eine wichtige Rolle, da der Erhalt intakter Wildtierkorridore Konflikte an den Rändern der Schutzgebiete verringern kann.
Elefanten gelten in Uganda als die am häufigsten registrierten Problem Animals im Human-Wildlife Conflict. In der benachbarten Queen Elizabeth Protected Area etwa gehen die meisten erfassten Konfliktfälle auf Elefanten zurück, die Feldfrüchte zerstören oder in Siedlungsnähe geraten. Dieser Wert stammt aus dem Management-Kontext von QEPA und lässt sich nicht direkt auf Bwindi übertragen, zeigt aber, wie dominant Elefanten als Konfliktfaktor in vergleichbaren ugandischen Schutzgebieten sein können.
Das HuGo-Programm: Gorilla-Konfliktlösung in Bwindi
Kurzantwort: HuGo (Human Gorilla Conflict Intervention and Resolution) ist ein bwindi-spezifisches Programm, das Gorillas, die in Bananenplantagen und andere menschlich genutzte Flächen geraten, gezielt zurück in den Wald begleitet.
In Bwindi selbst arbeitet das Programm HuGo (Human Gorilla Conflict Intervention and Resolution) an der direkten Entschärfung von Konflikten zwischen Berggorillas und der ansässigen Bevölkerung. Wenn sich Gorillas in menschlich genutzte Flächen wie Bananenplantagen verirren, sorgt das Programm dafür, dass die Tiere zurück in ihren natürlichen Lebensraum geleitet werden – ohne dass es zu Schäden an Mensch oder Tier kommt.
HuGo ist dabei klar von landesweiten Maßnahmen der Uganda Wildlife Authority zu unterscheiden: Es handelt sich um ein lokal auf Bwindi zugeschnittenes Programm, das speziell auf die Nähe von Berggorillas zu menschlichen Siedlungen reagiert, während andere Instrumente wie Problem Animal Control oder Community-Scouts landesweit zum Einsatz kommen. Mehr zu den Zusammenhängen zwischen Gorillaschutz und Konfliktprävention findest du im Beitrag zu Gorilla-Schutzprojekten in Bwindi.
Wie Parkgebühren und Revenue-Sharing Konflikte entschärfen
Kurzantwort: Ein Teil der Einnahmen aus Gorilla-Permits fließt direkt an Anrainergemeinden – ergänzt durch eine seit 1995 bestehende Revenue-Sharing-Politik von Uganda National Parks.
Parkanrainer rund um Bwindi erhalten 5% der Einnahmen aus den Gorilla-Trekking-Permits. Hinzu kommen indirekte Einnahmen und Arbeitsplätze, die über Projekte verschiedener Organisationen im Umfeld des Parks entstehen.
Diese Praxis reicht historisch zurück: Bereits im November 1995 etablierte Uganda National Parks eine grundsätzliche Politik zur Einnahmenteilung mit den an Nationalparks angrenzenden Gemeinden. Die Idee dahinter: Wer von den wirtschaftlichen Vorteilen des Naturschutzes profitiert, hat weniger Anreiz, in Konflikt mit geschützten Wildtieren zu geraten, und wird stattdessen zum Partner beim Schutz der Ressourcen. Wie diese Einnahmen konkret in Bwindi verteilt werden, beschreibt der Beitrag zu Community Benefit Sharing in Bwindi.
Prävention, Reaktion und Gemeinschaftsbeteiligung: Der UWA-Ansatz
Kurzantwort: Die Uganda Wildlife Authority setzt landesweit auf ein Zusammenspiel aus Prävention, schneller Reaktion und community-basierten Maßnahmen wie Wildlife-Scouts und gezielter Umsiedlung von Problemtieren.
Die Uganda Wildlife Authority (UWA) verfolgt einen integrierten Ansatz aus Prävention, Reaktion und gemeinschaftsgestützten Interventionen, um Mensch-Wildtier-Konflikte landesweit zu reduzieren. Ein zentraler Baustein sind Community Wildlife Scouts: Bis Dezember 2025 waren landesweit 1.809 solcher Scouts rekrutiert, ausgebildet und ausgerüstet, um bei Konflikten schnell zu reagieren, Vorfälle zu überwachen und Aufklärungsarbeit zu leisten. Auswertungen zwischen 2022 und 2024 deuten darauf hin, dass rund 88% der teilnehmenden Haushalte über weniger Ernteschäden durch wildernde Tiere berichteten – diese Zahlen beziehen sich auf ganz Uganda und nicht spezifisch auf Bwindi.
Ergänzend setzt die UWA auf Problem Animal Control und gezielte Umsiedlung: Besonders häufig betrifft dies Schlangen und Krokodile in dicht besiedelten Gebieten und in der Nähe von Gewässern. Solche Maßnahmen sollen unmittelbare Gefahren für Menschen verringern, gleichzeitig aber auch das Tierwohl sichern und Vergeltungstötungen vorbeugen. Auch der Schutz von Wäldern und Wildtierkorridoren, wie im Beitrag zum Waldmanagement in Uganda beschrieben, trägt langfristig dazu bei, solche Konflikte an der Wurzel zu verringern.
Ziele und Wirksamkeit: Was der Bwindi-Managementplan vorsieht
Kurzantwort: Der Managementplan für Bwindi (2014-2023) formulierte das Ziel, Mensch-Wildtier-Konflikte um mindestens 50% zu reduzieren – ob dieses Ziel tatsächlich erreicht wurde, ist nicht abschließend belegt.
Der Managementplan für den Bwindi Impenetrable National Park sah für die Planperiode 2014 bis 2023 vor, Mensch-Wildtier-Konflikte um mindestens 50% zu reduzieren. Dieser Wert ist als Planziel zu verstehen, nicht als bereits nachgewiesenes Ergebnis. Ob und in welchem Umfang die Zielmarke tatsächlich erreicht wurde, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht abschließend beantworten.
Klar ist: Die Kombination aus Revenue-Sharing, bwindi-spezifischen Programmen wie HuGo und landesweiten UWA-Instrumenten wie Community-Scouts bildet die Grundlage, auf der weitere Fortschritte bei der Konfliktreduktion aufbauen sollen. Mehr zum Zusammenhang zwischen Waldschutz und Gorillaschutz findest du im Beitrag zu Berggorillas und Waldschutz in Bwindi.
Häufige Fragen
Wie viel Prozent der Gorilla-Permit-Einnahmen fließen an lokale Gemeinden?
Parkanrainer rund um Bwindi erhalten 5% der Einnahmen aus den Gorilla-Trekking-Permits. Zusätzlich entstehen indirekte Einnahmen und Arbeitsplätze über Projekte verschiedener Organisationen im Parkumfeld.
Was ist das HuGo-Programm in Bwindi?
HuGo steht für Human Gorilla Conflict Intervention and Resolution. Das Programm arbeitet in Bwindi daran, Gorillas, die in Bananenplantagen oder andere menschlich genutzte Flächen geraten, sicher zurück in den Wald zu begleiten und so Konflikte zwischen Gorillas und Anwohnern zu entschärfen.
Welche Tiere verursachen die meisten Konflikte mit Menschen in Uganda?
Elefanten gelten in Uganda als die am häufigsten registrierten Problem Animals im Human-Wildlife Conflict. In der Queen Elizabeth Protected Area etwa gehen die meisten erfassten Konfliktfälle auf sie zurück.
Seit wann gibt es Revenue-Sharing zwischen Nationalparks und Gemeinden in Uganda?
Uganda National Parks etablierte im November 1995 erstmals eine Politik, Einnahmen mit den an Nationalparks angrenzenden Gemeinden zu teilen.
Weiterlesen
Vor Ort






