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Imkerei am Bwindi: Wie Batwa wirtschaftliche Integration gelingt

Wirtschaft & Gemeinschaft · Batwa · Bwindi

Entlang der Grenze des Bwindi Impenetrable National Park summt es. Nicht nur im Unterholz des Regenwaldes, wo 426 Schimpansen (laut dem Uganda State of Wildlife Resources Report 2026) durch das Kronendach streifen — sondern auch in den schlicht gezimmerten Holzbeuten, die Batwa-Familien auf ihren schmalen Parzellen aufgestellt haben. Bienenzucht ist im Südwesten Ugandas keine romantische Nischenaktivität. Sie ist für viele Batwa-Familien ein ernsthafter wirtschaftlicher Anker in einer Situation, die seit Jahrzehnten durch Landverlust, Marginalisierung und fehlende Einkommensalternativen geprägt ist.

Auf einen Blick

  • Wer: Batwa-Gemeinschaften entlang der Bwindi-Parkgrenze
  • Was: Traditionelle und moderne Bienenzucht als Einkommensquelle
  • Wo: Pufferzonen und Gemeinschaftsland rund um Buhoma, Nkuringo und Ruhija
  • Bedeutung: Wirtschaftliche Integration ohne Waldeingriff — Mensch und Park profitieren
  • Kontext: Bwindi gilt seit 2026 als eine der wichtigsten Hochburgen für gefährdete Katzenarten in Uganda
  • Besuche vor Ort: Mehrfache Aufenthalte seit Oktober 2024, zuletzt Mai 2026

Wer sind die Batwa — und warum brauchen sie wirtschaftliche Alternativen?

Die Batwa sind die ursprünglichen Waldbewohner des Bwindi-Regenwaldes. Über Jahrtausende lebten sie als Jäger und Sammler im Innern des Waldes, kannten jeden Pfad, jede Heilpflanze, jede Quelle. Mit der Gründung des Bwindi Impenetrable National Park im Jahr 1991 änderte sich ihre Situation grundlegend. Sie wurden aus dem Wald umgesiedelt — ohne Land, ohne Entschädigung, ohne Einkommensplan. Der Park, der heute zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört und als Heimat von mehr als der Hälfte aller noch lebenden Berggorillas gilt, wurde geschützt. Die Menschen, die ihn am besten kannten, verloren ihre Existenzgrundlage.

Dreißig Jahre später ist die Situation der Batwa rund um Bwindi komplex. Viele leben auf kleinen Parzellen am Rand von Gemeindeland, oft ohne gesicherte Eigentumstitel. Die Uganda Wildlife Authority (UWA) und verschiedene NGOs haben Programme aufgelegt, die wirtschaftliche Alternativen schaffen sollen — darunter die Vermarktung traditionellen Heilwissens, Kulturführungen im Rahmen des Community Walk in Buhoma und eben auch Imkerei. Zwischen 2020 und 2025 wurden im Bwindi-Park zwischen 20 und 60 Vorfälle pro Jahr dokumentiert, bei denen Nicht-Holz-Waldprodukte entnommen wurden — ein Zeichen dafür, dass der Druck auf den Wald durch wirtschaftliche Not weiterhin spürbar bleibt (State of Wildlife Resources in Uganda 2026). Imkerei bietet hier eine elegante Alternative: Sie erfordert keinen Eingriff in den Wald, schützt ihn im Idealfall sogar.

Die UWA hat in einer Inventarisierung traditioneller Heilpflanzen — durchgeführt unter Leitung von Batwa-Gemeinschaftsmitgliedern in Bwindi, Mgahinga und Semuliki — dokumentiert, wie umfangreich das ökologische Wissen der Batwa ist. Dieses Wissen ist für die Imkerei unmittelbar relevant: Wer weiß, welche Pflanzen wann blühen, wer Trachtpflanzen von Giftpflanzen unterscheiden kann, ist ein besserer Imker.

Bienenzucht entlang der Parkgrenze — Praxis und Alltag

Wer während eines Besuchs in der Region — wir waren zuletzt im Mai 2026 in Buhoma — mit offenen Augen durch die Dörfer geht, sieht sie schnell: die charakteristischen langen Klotzbeuten aus Holz, aufgehängt in Bäumen oder auf Pfosten. Traditionelle Imkerei in Uganda ist keine Bienenstockimkerei im mitteleuropäischen Sinn. Die Beuten werden so positioniert, dass wilde Bienenvölker einziehen können. Die Imker kehren in regelmäßigen Abständen zurück, um Honig zu ernten — oft nachts, um die Bienen so wenig wie möglich zu stören.

Modernere Ansätze, die von NGOs und staatlichen Agrarberaterteams gefördert werden, setzen auf Langstrothbeuten oder Korbbeuten aus lokalem Material, die eine bessere Kontrolle des Volkes und schonendere Ernte ermöglichen. Die Honigqualität aus dem Umfeld des Bwindi-Regenwaldes gilt als besonders aromatisch — die Tracht reicht von Eukalyptus und Grevillea auf den umliegenden Farmflächen bis hin zu den Blüten der zahlreichen Waldrandpflanzen. Bwindi und das benachbarte Echuya-Waldreservat gelten laut dem Uganda Red List Report 2026 als zwei der wichtigsten Schutzgebiete für gefährdete Tierarten in Uganda — die Biodiversität dieser Landschaft ist auch für Bienen einzigartig.

[ZITAT: Batwa-Imker über die Bedeutung der Bienen für seine Familie]

Die Ernte wird teils vor Ort verbraucht, teils in Buhoma und Kabale vermarktet. Lokale Lodges — darunter die Gorilla Bluff Lodge in Buhoma — kaufen vereinzelt lokalen Honig, was direkte Lieferketten zwischen Batwa-Produzenten und dem Tourismus schafft. Diese Verbindung ist wirtschaftlich bedeutsam: Sie macht den Tourismus für die Batwa zu mehr als einer abstrakten Einnahmequelle der UWA. Der Community Benefit Sharing-Mechanismus des Parks sieht zwar vor, dass Teile der Parkeinnahmen an umliegende Gemeinden fließen — doch direkte Wirtschaftsbeziehungen wie der Honigverkauf schaffen eine spürbarere, unmittelbarere Verbindung.

Imkerei als Waldschutz — warum Bienen die Grenze sichern helfen

Der Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Not und Waldeingriff ist in Bwindi gut dokumentiert. Zwischen 2020 und 2025 schwankten die dokumentierten Vorfälle mit Entnahme von Nicht-Holz-Waldprodukten — von Heilpflanzen über Bambus bis hin zu wildgesammeltem Honig aus Waldbeuten — zwischen 20 und 60 Fällen jährlich (State of Wildlife Resources in Uganda 2026). Wildimkerei innerhalb des Parks ist dabei ein besonderer Streitpunkt: Imker, die Beuten illegal im Waldinnern aufstellen oder dort Honig ernten, dringen in Kernbereiche des Parks ein, stören Wildtiere und gefährden die eigene Sicherheit.

Genau hier liegt der strategische Wert der geförderten Imkerei auf Gemeindeland: Wer eine produktive, legale Bienenhaltung außerhalb des Parks betreibt, hat deutlich weniger Anreiz, in den Park einzudringen. Die UWA verfolgt im Rahmen ihres Grenzmanagements einen ähnlichen Ansatz wie im benachbarten Mgahinga Gorilla National Park, wo eine 16 Kilometer lange Steinmauer Gorillas vom Eindringen in Farmland abhält. Am Bwindi sind die Mittel andere — Pufferzonen, Gemeindeprogramme, wirtschaftliche Anreize — aber das Prinzip ist dasselbe: Konflikte an der Grenze lassen sich am wirksamsten durch wirtschaftliche Alternativen reduzieren, nicht allein durch Kontrolle.

Für Bienen ist die Grenze zwischen Park und Farmland ohnehin keine. Die Bestäubungsleistung der Bienenvölker erstreckt sich über mehrere Kilometer — Bienen aus Beuten am Waldrand fliegen regelmäßig in den Park und zurück. Sie sind damit auch ökologisch wertvolle Akteure im Waldgefüge, ohne dass dies jemandem Probleme bereitet. Diese natürliche Grenzüberquerung macht Imkerei zu einem seltenen Fall, in dem menschliche Wirtschaftsaktivität und Parkschutz keine Konkurrenten sind.

Die Waldschutzprogramme im Bwindi setzen deshalb zunehmend auf kombinierte Ansätze: Parkpatrouillen für die Kernzonen, wirtschaftliche Förderung in den Pufferzonen. Imkerei ist dabei ein kleines, aber illustratives Beispiel dafür, wie dieser kombinierte Ansatz in der Praxis aussehen kann.

Wirtschaftliche Integration der Batwa — größerer Kontext

Die Batwa sind in Uganda als vulnerable and marginalized group offiziell anerkannt. Das Vulnerable and Marginalized Groups Framework (VMGF) des ugandischen Umweltministeriums aus dem Jahr 2020 legt Mindeststandards für Projekte fest, die diese Gruppen betreffen — darunter Konsultationspflichten und Beteiligungsmechanismen. In der Praxis klafft zwischen diesen Rahmenwerken und dem Alltag der Batwa-Familien rund um Bwindi noch eine erhebliche Lücke.

Studien wie der Socioeconomic Status Report von Plumptre et al. (2004) haben bereits früh dokumentiert, dass die Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft von Schutzgebieten im Albertine Rift zu den wirtschaftlich schwächsten Bevölkerungsgruppen gehören — obwohl oder gerade weil der Park direkt vor ihrer Haustür liegt. Die Frage, wie dieser Widerspruch aufgelöst werden kann, beschäftigt NGOs, die UWA und die ugandische Regierung bis heute.

Imkerei allein ist keine Lösung. Sie ist ein Baustein unter vielen — neben Kulturführungen im Rahmen des Community Walk, neben Handwerk, neben landwirtschaftlicher Diversifizierung, neben dem Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung. Wer die Dörfer rund um Buhoma besucht und mit den Menschen spricht, versteht schnell, dass wirtschaftliche Integration kein Programm ist, das man von außen installiert. Sie entsteht, wenn Menschen Kontrolle über ihre eigenen Ressourcen gewinnen — und wenn Märkte und Käufer bereit sind, diesen Produkten einen fairen Preis zu zahlen.

Der japanische Botschafter in Uganda, Sasamaya Takuwa, besuchte in den vergangenen Jahren mehrfach Gemeinschaftsprojekte im Südwesten Ugandas — ein Zeichen dafür, dass internationale Aufmerksamkeit für die Lage der Batwa und die nachhaltigen Wirtschaftsprogramme in der Region wächst. Japanische Entwicklungszusammenarbeit hat in Uganda verschiedene Programme mitfinanziert, die auf ländliche Einkommensentwicklung zielen.

Die Wirtschaft in Buhoma ist insgesamt von einem Nebeneinander aus Tourismus, Subsistenzlandwirtschaft und kleinen Handelsunternehmen geprägt. Imkerei passt gut in dieses Mosaik — als Aktivität, die keinen Kapital- und Landbesitz voraussetzt, der in der Region für marginalisierte Gruppen kaum zugänglich ist.

Was Reisende sehen und tun können

Wer nach Bwindi reist, kommt in der Regel wegen des Gorilla Trekkings — und das ist völlig verständlich. Die Begegnung mit Berggorillas in freier Wildbahn ist eines der eindrucksvollsten Naturerlebnisse, die Afrika bietet. Doch Bwindi bietet mehr. Der Community Walk in Buhoma führt Besucher durch Dorfstrukturen, lokale Projekte und Batwa-Kulturangebote. Wer dabei Honig kauft oder eine Imker-Demonstration miterlebt, trägt direkt zur wirtschaftlichen Integration der Batwa bei — ohne dass es eines aufwendigen NGO-Apparats bedarf.

Lokaler Honig aus der Bwindi-Region ist ein mitbringenswertes Souvenir — dicht, aromatisch, und mit einer Geschichte dahinter, die über ein einfaches Produkt weit hinausgeht. Einige Unterkünfte in Buhoma bieten lokalen Honig direkt an. Die Nachfrage danach zu stellen ist eine kleine, aber sinnvolle Geste.

Wer sich für nachhaltigeres Reisen in Bwindi interessiert, findet im Bereich Batwa-Wirtschaft einen konkreten Ansatzpunkt: Gemeinschaftsprogramme unterstützen, lokal kaufen, Kulturführungen buchen und den Guides und Produzenten direkte Rückmeldung geben — das ist kein Aktionismus, sondern einfach gutes Reisen.

Während unseres Aufenthalts im Januar 2026 in Buhoma haben wir beobachtet, wie stark der lokale Markt von der Präsenz der Besucher abhängt — und wie schnell er einbricht, wenn die Gäste ausbleiben. Die Imker, die Honig produzieren, brauchen keine Almosen. Sie brauchen Käufer, die ihrem Produkt einen fairen Preis zahlen und die Geschichte dahinter kennen und schätzen.

Häufige Fragen

Wo kann ich in Bwindi lokalen Honig kaufen?

Lokaler Honig wird auf dem Community Walk in Buhoma sowie vereinzelt in Lodges und kleinen Läden im Dorf angeboten. Am besten direkt beim Guide des Community Walk nachfragen — der kennt die aktuellen Produzenten und kann eine direkte Verbindung herstellen.

Sind die Batwa in den Tourismus rund um Bwindi eingebunden?

Ja, in unterschiedlichem Ausmaß. Der Community Walk in Buhoma beinhaltet Batwa-Kulturprogramme. Daneben gibt es Handwerk, Imkerei und vereinzelt Kulturführungen. Die Integration ist ein laufender Prozess — nicht alle Programme sind gleich gut finanziert oder organisiert.

Warum ist Imkerei besonders geeignet für Gemeinschaften am Parkrand?

Bienenhaltung erfordert keine großen Landflächen, keinen Eingriff in den Wald und verhältnismäßig geringes Startkapital. Bienen bestäuben gleichzeitig Farmkulturen in der Umgebung, was die landwirtschaftliche Produktion verbessert. Die Tätigkeit lässt sich mit anderen Erwerbsquellen kombinieren und ist kulturell in der Region verankert.

Welche Organisationen unterstützen wirtschaftliche Programme für die Batwa?

Neben der Uganda Wildlife Authority sind verschiedene NGOs aktiv, darunter PROBICOU (Programme for Bwindi Community and Umubano Projects in Uganda) und internationale Entwicklungspartner. Das Vulnerable and Marginalized Groups Framework der ugandischen Regierung gibt den rechtlichen Rahmen vor. Die konkrete Umsetzung variiert stark je nach Region und Projektfinanzierung.

Wie viele Batwa leben rund um den Bwindi Impenetrable National Park?

Genaue aktuelle Zahlen sind schwer zu ermitteln, da viele Batwa keinen festen Wohnsitz haben oder in abgelegenen Gebieten leben. Schätzungen aus dem Jahr 2020 sprachen von mehreren tausend Batwa in der gesamten Bwindi- und Mgahinga-Region. Eine systematische Erfassung ist im Rahmen des IFPA-CD-Projekts geplant.