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Inklusion und Nicht-Diskriminierung: Schulungen für Bwindi-Projektstakeholder

Gemeinschaft & Naturschutz

Ein Besucher präsentiert ein Entwicklungsprojekt im ugandischen Bergdorf Buhoma, umgeben von Kindern in roten Schuluniformen
Gemeinschaftsarbeit in Buhoma — Foto: Susanne Suer, Januar 2026

Auf einen Blick

  • Anlass: Orientierungsschulung aller Distrikt-Stakeholder im Mai 2025 im Rahmen des IFPA-CD-Projekts
  • Thema: Inklusion, Nicht-Diskriminierung und gleichberechtigte Teilhabe aller Projektbeteiligten
  • Zielregionen: Distrikte Kisoro und Kanungu, einschließlich Unterbezirke und Dorfräte (Local Council System)
  • Hintergrund: Schutz und Einbindung der Batwa — einer stark marginalisierten indigenen Bevölkerungsgruppe rund um den Bwindi Impenetrable National Park
  • Projekt: IFPA-CD (Investing in Forests and Protected Areas for Climate Smart Development), P170466, Weltbank
  • Verantwortlich: Ministerium für Wasser und Umwelt Uganda sowie Uganda Wildlife Authority (UWA)
  • Quelle: Vulnerable and Marginalized Groups Plan (VMGP) für die Batwa rund um den Bwindi Impenetrable National Park, Dezember 2025

Beim Gorilla-Trekking im Bwindi Impenetrable National Park begegnen Reisende einer Landschaft von außergewöhnlicher Dichte und Schönheit — doch der Park ist weit mehr als ein Wildtierschutzgebiet. Er ist ein sozialer Raum, in dem Naturschutz, Entwicklungspolitik und die Rechte indigener Gemeinschaften seit Jahrzehnten aufeinanderprallen. Im Mai 2025 setzte das internationale Waldschutzprojekt IFPA-CD ein klares Signal: Alle Beteiligten rund um den Park — von Distriktverwaltungen bis zu Dorfräten in Kisoro und Kanungu — wurden in Inklusion und Nicht-Diskriminierung geschult. Während meines Besuchs im Januar 2026 in Buhoma war spürbar, wie diese Bemühungen langsam in den Alltag sickern: Gespräche über Gleichberechtigung, Beteiligung und Zugang zu Projektvorteilen fanden auch an informellen Orten statt — auf dem Weg zum Trailhead, vor dem Gemeindesaal, am Straßenrand.

Warum Inklusion in Bwindi keine Selbstverständlichkeit ist

Die Batwa — manchmal auch als Twa bezeichnet — lebten über Jahrtausende als Jäger und Sammler im Regenwald des heutigen Bwindi Impenetrable National Park. Mit der Gründung des Parks im Jahr 1991 wurden sie entschädigungslos aus ihrem angestammten Waldgebiet vertrieben. Was folgte, war eine der schwersten humanitären Krisen im Zusammenhang mit dem Naturschutz in der Region: Landlosigkeit, extreme Armut, fehlender Schulzugang und tiefe soziale Stigmatisierung. Heute leben schätzungsweise mehrere tausend Batwa in den Distrikten Kisoro und Kanungu, größtenteils am Rand der Parkgrenzen, oft ohne Landtitel und mit eingeschränktem Zugang zu staatlichen Dienstleistungen.

Diese Geschichte macht Inklusion zu einer politisch und ethisch hoch aufgeladenen Aufgabe. Wenn Naturschutzprojekte über Beteiligung und Nicht-Diskriminierung sprechen, müssen sie sich zuerst fragen: Wer war bislang ausgeschlossen? Und warum? Im Kontext von Bwindi ist die Antwort historisch eindeutig: Die Batwa wurden durch den Parkschutz marginalisiert, und jeder neue Versuch, sie in Entscheidungsprozesse einzubinden, bewegt sich auf diesem belasteten Fundament.

Das IFPA-CD-Projekt — finanziert von der Weltbank und durchgeführt vom ugandischen Ministerium für Wasser und Umwelt gemeinsam mit der Uganda Wildlife Authority (UWA) — hat diesen Kontext explizit anerkannt. Der Vulnerable and Marginalized Groups Plan (VMGP) für die Batwa, der im Dezember 2025 veröffentlicht wurde, dokumentiert sowohl die historischen Ungerechtigkeiten als auch die Schritte, die das Projekt unternimmt, um aktive Beteiligung, gleichberechtigten Zugang zu Vorteilen und wirksame Beschwerdemechanismen zu gewährleisten. Die Schulungen im Mai 2025 waren ein zentraler Baustein dieses Plans.

Die Schulungen im Mai 2025: Inhalt, Methode und Reichweite

Im Mai 2025 organisierte das IFPA-CD-Projekt eine umfassende Orientierungsschulung für alle Distrikt-Stakeholder in Kisoro und Kanungu. Zielgruppe waren nicht nur Vertreter der Distriktverwaltungen, sondern ausdrücklich alle Projektbeteiligten — Unterbezirke, Gemeindeleiter, Dorfräte (Local Councils) und zivilgesellschaftliche Organisationen, die im Rahmen des lokalen Verwaltungssystems eine Rolle spielen.

Inhaltlich legte die Schulung den Schwerpunkt auf drei Kernbereiche: erstens die gleichberechtigte Einbeziehung aller Gruppen in Entscheidungsprozesse, zweitens die aktive Teilhabe an Projektaktivitäten, und drittens den gleichwertigen Zugang zu Projektvorteilen. Besonderer Nachdruck wurde dabei auf die Vermeidung jeglicher Diskriminierung gelegt — sei es aufgrund ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht, sozialem Status oder anderen Merkmalen.

Das methodische Konzept war bewusst partizipativ angelegt. Statt klassischer Frontalvermittlung sollten die Schulungsteilnehmer durch Gruppenarbeit, Fallbeispiele aus der Region und gemeinsame Diskussionen ein praktisches Verständnis für Inklusionsprinzipien entwickeln. Die Wahl des Local-Council-Systems als Rückgrat des Schulungsprogramms war strategisch klug: Die Dorfräte sind die erste Anlaufstelle für Bürgeranliegen in Uganda und haben direkten Zugang zu Gemeinschaften, die staatliche Verwaltungsebenen sonst kaum erreichen.

[ZITAT: Vertreter des Kisoro-Distrikts über die Bedeutung der Schulung für die Batwa-Gemeinden]

Das Grievance-System: Wie Beschwerden offiziell werden

Parallel zur Inklusionsschulung investiert das IFPA-CD-Projekt in ein funktionsfähiges Beschwerdemanagementsystem (Grievance Redress Mechanism, GRM). Die Logik dahinter ist einfach: Selbst gut gemeinte Naturschutzprojekte erzeugen Konflikte — über Landnutzung, Zugangsbeschränkungen, Ressourcenverteilung oder schlicht fehlende Information. Wenn Betroffene keine formale Möglichkeit haben, Beschwerden einzureichen und eine Antwort zu erhalten, entsteht Misstrauen, das langfristig die Projektziele untergräbt.

Das Projekt hat 2023 und erneut 2025 Grievance Redress Committees (GRCs) auf verschiedenen Ebenen eingerichtet und geschult: einen übergreifenden Ausschuss für den Bwindi Impenetrable National Park, Ausschüsse auf Distriktebene in Kisoro und Kanungu sowie Ausschüsse in den Unterbezirken, die unmittelbar an den Park grenzen. Diese mehrstufige Struktur ist wichtig, weil Beschwerden je nach Inhalt und Schwere unterschiedliche Eskalationspfade brauchen.

Das Besondere: Das GRM nutzt das bestehende Local-Council-System als Kanal. Das bedeutet, dass Menschen in abgelegenen Dörfern rund um Bwindi — darunter auch Batwa-Gemeinschaften ohne starke formale Vertretung — Beschwerden über die ohnehin vorhandenen Strukturen einreichen können, die sie kennen und zumindest ansatzweise vertrauen. Es entsteht kein Parallelsystem, das mit dem Projekt endet; stattdessen werden bestehende Institutionen gestärkt.

Die Schulung der GRC-Mitglieder in 2025 umfasste unter anderem: Wie werden Beschwerden dokumentiert? Welche Fristen gelten für Rückmeldungen? Wie wird mit Fällen umgegangen, die sensible Themen wie ethnische Diskriminierung oder geschlechtsspezifische Benachteiligung betreffen? Diese praktischen Fragen sind entscheidend, denn ein GRM das auf dem Papier existiert, aber in der Praxis nicht funktioniert, erzeugt mehr Frustration als gar keines.

Für Reisende, die sich für nachhaltiges Reisen in der Bwindi-Region interessieren, sind diese Mechanismen mehr als bürokratische Details. Sie sind ein Indikator dafür, ob ein Naturschutzprojekt wirklich im Einklang mit lokalen Gemeinschaften arbeitet — oder ob der Schutz von Gorillas und Wäldern auf Kosten derjenigen geht, die am längsten in diesem Wald gelebt haben.

VMGP: Der Vulnerable and Marginalized Groups Plan als Grundlage

Die Schulungen zur Inklusion und Nicht-Diskriminierung sind kein isoliertes Ereignis, sondern Teil eines umfassenderen rechtlichen und planerischen Rahmens: des Vulnerable and Marginalized Groups Plan (VMGP) für die Batwa rund um den Bwindi Impenetrable National Park. Dieses Dokument, das im Dezember 2025 veröffentlicht wurde, verpflichtet das ugandische Ministerium für Wasser und Umwelt sowie die Uganda Wildlife Authority zu konkreten Maßnahmen gegenüber den Batwa als indigener, historisch marginalisierter Bevölkerungsgruppe.

Der VMGP entstand im Kontext des IFPA-CD-Projekts (P170466), das Waldschutz und klimaschonende Entwicklung in Uganda miteinander verknüpft. Die Weltbank-Finanzierung ist an soziale Schutzstandards gebunden, die explizit den Schutz indigener Völker einschließen — darunter die freie, vorherige und informierte Zustimmung (Free, Prior and Informed Consent, FPIC) zu projektrelevanten Entscheidungen.

Im Juli 2025 fand in Kisoro eine Überarbeitung des VMGP statt — sie deckte nicht nur Bwindi ab, sondern auch den Mgahinga Gorilla National Park und das Echuya Central Forest Reserve. Diese Revision war wichtig, weil sich die Situation der Batwa seit der ersten Version des Plans verändert hatte und neue Erkenntnisse über ihre Lebensbedingungen, Landnutzungsansprüche und kulturellen Bedürfnisse berücksichtigt werden mussten.

Ein zentraler Aspekt des VMGP ist die Klarheit über die Grenzen des Projekts. Bei den Konsultationen wurden Stakeholder ausdrücklich daran erinnert, dass nur solche Maßnahmen vereinbart werden können, die innerhalb der Projektlaufzeit (bis Juni 2026) und im Rahmen des Projektmandats realisierbar sind. Themen wie Landrestitution, das bestehende Tourismuserlös-Teilungssystem der Regierung und existierende Batwa-Tourismusprodukte lagen außerhalb dieses Rahmens — nicht weil sie unwichtig wären, sondern weil das Projekt diese strukturellen Fragen allein nicht lösen kann.

Wer mehr über die breitere Frage erfahren möchte, wie Einnahmen aus dem Gorilla-Trekking an lokale Gemeinschaften weitergegeben werden, findet auf unserer Seite zum Community Benefit Sharing in Bwindi detaillierte Informationen zu Mechanismen und Herausforderungen.

Naturschutz und soziale Gerechtigkeit: Was wir vor Ort erlebt haben

Mark Suer besuchte die Bwindi-Region erstmals im Oktober 2024 für zwölf Tage, dann erneut im Januar 2026 für elf Tage sowie mehrfach in den Monaten April, Mai und Juni 2026. Bei diesen Aufenthalten, vor allem in Buhoma und Umgebung, wurde deutlich, dass die Spannung zwischen Naturschutzzielen und den Lebensrealitäten der Batwa im Alltag allgegenwärtig ist — in Gesprächen mit Guides, Gemeindemitgliedern und lokalen Unternehmern.

Susanne Suer fotografierte im Januar 2026 eine Szene, die diesen Spannungsbogen gut einfängt: Ein engagierter Besucher präsentiert ein Entwicklungsprojekt in einem Bergdorf, umringt von Kindern in roten Schuluniformen, im Hintergrund Bananenpflanzungen. Das Bild zeigt nicht den Nationalpark, nicht die Gorillas — sondern Menschen, Bildung und die Infrastruktur eines Lebens, das unmittelbar von Naturschutzentscheidungen abhängt.

[ZITAT: Guide über das Verhältnis zwischen Parkschutz und Batwa-Gemeinschaft]

Bwindi beherbergt laut dem staatlichen Wildlife-Bericht 2026 nicht nur die weltweit bedeutendste Berggorilla-Population, sondern auch 426 Schimpansen (Stand: Zensus 2025) sowie seltene Katzenarten, für die Bwindi und Echuya als die wichtigsten Rückzugsgebiete auf der Uganda Red List gelten. Diese biologische Reichhaltigkeit ist real — und sie ist der Grund, warum internationale Geldgeber wie die Weltbank in den Schutz dieser Landschaft investieren. Aber ein Park, der sich über Menschenrechte hinwegsetzt, hat langfristig ein Legitimitätsproblem. Das scheint auch die ugandische Seite verstanden zu haben.

Die Inklusionsschulungen im Mai 2025 sind deshalb mehr als ein administrativer Pflichtpunkt. Sie sind ein Eingeständnis, dass Naturschutz ohne soziale Gerechtigkeit nicht nachhaltig ist. Ob diese Erkenntnis über das Ende des IFPA-CD-Projekts im Juni 2026 hinaus wirkt, bleibt abzuwarten — aber der institutionelle Grundstein ist gelegt. Geschulte Grievance-Komitees, gestärkte Local Councils und ein dokumentierter VMGP sind Instrumente, die nach dem Projektabschluss weiterexistieren, wenn politischer Wille vorhanden ist.

Für Reisende, die Gorilla-Trekking in Bwindi buchen, bedeutet all das: Das 800-USD-Permit, das für das Trekking bezahlt wird, fließt in ein System, das zumindest dem Anspruch nach versucht, Naturschutz und Gemeinschaftsbeteiligung zu verbinden. Ob dieser Anspruch eingelöst wird, hängt von Entscheidungen ab, die weit über die Trekking-Trails hinausgehen — in Distriktverwaltungen, internationalen Finanzierungsrunden und den Gemeindesälen der Dörfer rund um den Park.

In Buhoma, dem nördlichen Eingangstor zum Park, spürt man diese Dynamiken besonders deutlich. Das Dorf ist einerseits ein Knotenpunkt des Tourismus, andererseits ein Ort, an dem lokale Wirtschaftsstrukturen, soziale Hierarchien und Entwicklungsprojekte täglich miteinander verhandelt werden. Wer mehr über diese Wechselwirkungen erfahren möchte, findet auf unserer Seite zur Beziehung zwischen Tourismus und Gemeinschaft in Buhoma tiefere Einblicke.

Nicht weniger aufschlussreich ist der Blick auf den Waldschutz selbst: Die UWA unterhält eine 16 Kilometer lange Steinmauer im Mgahinga Gorilla National Park, um Ernteraub durch Gorillas zu verhindern — ein konkretes Beispiel dafür, wie Schutzmaßnahmen auf menschliche Siedlungsräume stoßen und Kompromisse erzwingen. Diese Grenzfragen sind nicht abstrakt: Sie entscheiden darüber, wessen Felder geschützt werden und wessen Tiere als Bedrohung gelten.

Häufige Fragen

Was ist das IFPA-CD-Projekt und wer führt es durch?

IFPA-CD steht für Investing in Forests and Protected Areas for Climate Smart Development (Projektnummer P170466). Es wird vom ugandischen Ministerium für Wasser und Umwelt und der Uganda Wildlife Authority (UWA) mit Weltbank-Finanzierung durchgeführt. Ziel ist der Schutz von Wäldern und Schutzgebieten in Uganda bei gleichzeitiger Berücksichtigung sozialer Schutzstandards, insbesondere für marginalisierte Gruppen wie die Batwa.

Wer sind die Batwa und warum sind sie besonders schutzbedürftig?

Die Batwa sind eine indigene Bevölkerungsgruppe, die über Jahrtausende als Jäger und Sammler im Regenwald des heutigen Bwindi Impenetrable National Park lebte. Mit der Parkgründung 1991 wurden sie entschädigungslos vertrieben und leiden seitdem unter extremer Armut, Landlosigkeit und sozialer Ausgrenzung. Sie gelten als eine der am stärksten marginalisierten Gruppen in Uganda und sind deshalb im Vulnerable and Marginalized Groups Plan (VMGP) des IFPA-CD-Projekts explizit geschützt.

Was genau wurde bei den Inklusionsschulungen im Mai 2025 vermittelt?

Die Schulungen richteten sich an alle Distrikt-Stakeholder in Kisoro und Kanungu und betonten drei Kernprinzipien: gleichberechtigte Entscheidungsbeteiligung, aktive Teilhabe an Projektaktivitäten und gleichwertiger Zugang zu Projektvorteilen. Zudem wurden die Grundsätze der Nicht-Diskriminierung — unabhängig von Ethnie, Geschlecht oder sozialem Status — praxisnah vermittelt.

Wie funktioniert das Beschwerdesystem (Grievance Redress Mechanism) rund um Bwindi?

Das GRM ist mehrstufig aufgebaut: Es gibt einen zentralen Ausschuss für den Bwindi Impenetrable National Park sowie Ausschüsse auf Distrikt- und Unterbezirksebene in den Grenzdörfern. Das System nutzt das bestehende Local-Council-System, damit auch Batwa-Gemeinschaften in abgelegenen Dörfern Beschwerden einreichen können. Die Ausschüsse wurden 2023 und 2025 eingerichtet und geschult.

Hat das Projekt auch Grenzen? Was kann es nicht leisten?

Ja, das Projekt hat klar definierte Grenzen. Themen wie Landrestitution für die Batwa, das bestehende staatliche Tourismuserlös-Teilungssystem und bestehende Batwa-Tourismusprodukte können innerhalb des Projektmandats und der Laufzeit bis Juni 2026 nicht angegangen werden. Bei Konsultationen wurden Stakeholder ausdrücklich darauf hingewiesen, nur machbare Maßnahmen zu vereinbaren, um falsche Erwartungen zu vermeiden.