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Kollaboratives Ressourcenmanagement in Bwindi: Batwa-Partizipation im VMGP

Gemeinschaft & Naturschutz

Auf einen Blick

  • Was ist der VMGP? Vulnerable and Marginalized Group Plan — ein Managementplan der speziell die Batwa-Gemeinschaften rund um den Bwindi Impenetrable National Park schützt
  • Entwicklung: Konsultationen 2021 und 2022, offiziell angenommen und veröffentlicht im März 2023
  • Revision: Umfangreiche Neuberatungen Juli und Dezember 2025 nach Bedenken von Batwa-Organisationen
  • Vorfälle: 20–60 dokumentierte Nicht-Holz-Waldproduktentnahmen pro Jahr zwischen 2020 und 2025 (laut State of Wildlife Resources in Uganda 2026)
  • Zuständige Behörde: Uganda Wildlife Authority (UWA) gemeinsam mit dem Ministerium für Wasser und Umwelt (MWE)
  • Vor Ort: Mark Suer war im Oktober 2024, Januar 2026 und mehrfach im Jahr 2026 in Buhoma und der Bwindi-Region

Wer den Bwindi Impenetrable National Park zum ersten Mal betritt, denkt zuerst an Berggorillas. Doch unter den Baumkronen dieses Regenwaldes liegt eine Geschichte, die weit älter ist als der Tourismus, weit älter als die ugandischen Nationalparks: die Geschichte der Batwa. Sie lebten Jahrtausende in diesem Wald, bevor 1991 die Grenzen gezogen wurden. Heute leben die meisten von ihnen außerhalb des Parks — und die Frage, wie sie am Schutz ihres angestammten Lebensraums beteiligt werden, ist eine der wichtigsten und sensibelsten im gesamten Naturschutzkontext Ugandas. Der VMGP, der Vulnerable and Marginalized Group Plan, ist der institutionelle Rahmen, in dem diese Beteiligung heute organisiert wird.

Die Batwa: Wer sie sind und wie sie ihren Wald verloren

Die Batwa gelten als eines der ältesten Völker Ostafrikas. Als Jäger und Sammler lebten sie im Regenwald, nutzten seine Ressourcen mit tiefem ökologischem Wissen und bewahrten eine Kultur, die auf dem direkten Umgang mit dem Wald basierte. Mit der Ausweisung des Bwindi Impenetrable National Park im Jahr 1991 wurden sie ohne Entschädigung und ohne formelle Konsultation aus ihrem angestammten Gebiet verdrängt. Was international als Naturschutz gefeiert wurde, bedeutete für die Batwa den Verlust ihrer Lebensgrundlage, ihrer kulturellen Identität und ihres Zugangs zu Nahrung, Medizin und spirituell bedeutsamen Orten.

Heute leben rund um den Bwindi-Park verschiedene Batwa-Gemeinschaften in Siedlungen, die oft weit von ihrer ursprünglichen Heimat entfernt sind. Zu den bekanntesten Siedlungen gehören Mukongoro im Norden des Parks und Sanaliro nahe dem Nkuringo-Sektor im Süden. Die wirtschaftliche Lage ist in vielen dieser Gemeinschaften prekär — mangelnder Zugang zu Land, zu Bildung und zu formellen Einkommensquellen macht die Batwa zu einer der verletzlichsten Bevölkerungsgruppen in der gesamten Region. Es ist dieser Kontext, der den VMGP überhaupt erst notwendig macht.

Während meiner Aufenthalte in Buhoma — dem Haupteingang zum Bwindi-Park und Ausgangspunkt für das Gorilla-Trekking im Norden — wurde mir dieses Spannungsverhältnis immer wieder deutlich. Der Community Walk Buhoma, bei dem man lokale Projekte besucht und mehr über die Batwa-Kultur erfährt, gibt Reisenden einen ersten Einblick in diese Realität. Doch das, was man dort in wenigen Stunden sieht, ist nur ein kleiner Ausschnitt einer viel komplexeren Geschichte.

Was ist der VMGP und wie entstand er?

Der VMGP — Vulnerable and Marginalized Group Plan — ist ein rechtlich verbindliches Dokument, das im Rahmen des ugandischen REDD+-Programms entwickelt wurde. REDD+ steht für Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation und ist ein internationales Klimaschutzprogramm, das Länder dafür belohnt, Wälder zu erhalten. Als Uganda in dieses Programm eintrat, war klar: Ohne die Einbindung der Batwa würde jedes Waldschutzprogramm scheitern oder als Fortsetzung ihrer historischen Verdrängung wahrgenommen werden.

Dem VMGP vorausgegangen war die Erarbeitung eines Vulnerable and Marginalized Group Framework (VMGF), das in enger Zusammenarbeit mit Batwa-Gemeinschaften sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen — sowohl Batwa-geführten als auch externen NGOs — erarbeitet wurde. Nach der Annahme dieses Rahmens im Jahr 2020 begann 2021 die Vorbereitung des eigentlichen VMGP, der spezifisch auf die Batwa-Gemeinschaften rund um den Bwindi Impenetrable National Park zugeschnitten ist.

Die Konsultationsprozesse fanden in den Jahren 2021 und 2022 statt — allerdings mit erheblichen Verzögerungen aufgrund der COVID-19-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen. Im März 2023 wurde der VMGP schließlich offiziell angenommen und veröffentlicht. Er regelt seither, wie die Batwa-Gemeinschaften in die Verwaltung des Parks einbezogen werden, welche Ressourcen sie unter welchen Bedingungen nutzen dürfen, und welche Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stärkung der Gemeinschaften umgesetzt werden.

Wichtig zu verstehen: Der VMGP ist kein statisches Dokument. Von Beginn an war geplant, ihn an veränderte Bedingungen und neue Erkenntnisse anzupassen. Dieser adaptive Ansatz ist eine der Stärken des Rahmens — aber auch die Quelle von Spannungen, wenn die Anpassungen nicht schnell genug erfolgen oder wenn die Erwartungen der Gemeinschaften nicht vollständig erfüllt werden. [ZITAT: Batwa-Vertreter über die Erfahrungen während der Konsultationen]

Kollaboratives Ressourcenmanagement: Was steckt dahinter?

Der Begriff "kollaboratives Ressourcenmanagement" klingt nach Bürokratie, beschreibt aber einen grundlegenden Paradigmenwechsel im Naturschutz. Die klassische Schutzgebietsphilosophie trennte Menschen von Natur: Der Park gehörte den Tieren und der Wissenschaft, die Menschen lebten außerhalb. Dieser Ansatz hatte weltweit fatale Konsequenzen — besonders für indigene Gemeinschaften, die über Generationen als Hüter ihrer Ökosysteme gelebt hatten.

Kollaboratives Ressourcenmanagement — im ugandischen Kontext auch als Collaborative Resource Management (CRM) bezeichnet — kehrt dieses Verhältnis um. Es erkennt an, dass Gemeinschaften, die jahrhundertelang in und mit einem Wald gelebt haben, über ein Wissen verfügen, das kein wissenschaftliches Institut ersetzen kann. Und es erkennt an, dass Naturschutz nur dann langfristig funktioniert, wenn die Anrainerbevölkerung nicht als Problem, sondern als Partner wahrgenommen wird.

Konkret bedeutet das im Kontext des VMGP: Die Uganda Wildlife Authority (UWA), die den Bwindi-Park verwaltet, schließt mit Batwa-Gemeinschaften sogenannte CRM-Memoranda of Understanding (MoUs) ab. Diese Vereinbarungen regeln, welche Nicht-Holz-Waldprodukte die Batwa unter welchen Bedingungen aus dem Park entnehmen dürfen — etwa für medizinische Zwecke oder rituelle Anlässe. Bedürftige Mitglieder der Gemeinschaft, einschließlich der Batwa, können sich bei Ressourcennutzungsgruppen registrieren und nach der Registrierung Zugang zu bestimmten Ressourcen erhalten.

Gleichzeitig wurde UWA-Personal darin geschult, Situationsanalysen zur Ressourcennutzung durchzuführen und CRM-MoUs zu verhandeln. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Parkranger und Naturschutzbehörden sind traditionell ausgebildet, Ressourcenentnahme zu verhindern — nicht, sie zu ermöglichen. Der Kurswechsel erfordert nicht nur neue Regeln, sondern ein neues Denken.

Laut dem State of Wildlife Resources in Uganda 2026 wurden im Bwindi Impenetrable National Park zwischen 2020 und 2025 jährlich zwischen 20 und 60 Vorfälle der Nicht-Holz-Waldproduktentnahme dokumentiert. Diese Zahlen zeigen: Der Druck auf den Wald ist real und messbar. Sie zeigen aber auch, dass der kollaborative Ansatz dazu beiträgt, Entnahmen in geregelten Bahnen zu halten — im Vergleich zu Schutzkonzepten, die jegliche Nutzung verbieten und dadurch Schmuggel und unkontrollierte Entnahme provozieren.

Wirtschaftliche Stärkung: Handwerk, Imkerei und Tourismus

Neben dem Ressourcenzugang enthält der VMGP ein breites Spektrum an Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stärkung der Batwa-Gemeinschaften. Dazu gehören Ausbildungsprogramme in Kunsthandwerk und Imkerei, Vertrauensbildungsmaßnahmen sowie Programme zur Förderung der kulturellen Identität. Die Logik dahinter ist einfach: Wer wirtschaftlich abhängig vom Wald ist und keine Alternativen hat, wird den Wald nutzen — auch illegal. Wer alternative Einkommensquellen hat und am Tourismus partizipiert, hat ein wirtschaftliches Interesse am Erhalt des Waldes.

Im Bereich des Tourismus gibt es konkrete Ansätze: Batwa werden als Guides und Träger beschäftigt — ein Feld, in dem bislang andere Gemeinschaften dominieren. Das Gorilla-Trekking bringt erhebliche Einnahmen in die Region; Permits kosten 800 US-Dollar pro Person. Ein Teil dieser Einnahmen fließt in Community-Projekte — doch die Batwa profitieren historisch weniger davon als andere Bevölkerungsgruppen. Der VMGP zielt darauf ab, das zu ändern, unter anderem durch gezielte Marketingmaßnahmen für Batwa-Tourismusprodukte wie traditionelles Kunsthandwerk.

Ein weiteres konkretes Projekt: die Ausbildung von 25 Batwa im Bau energieeffizienter Kochöfen. In der Mukongoro-Batwa-Siedlung im Norden des Parks und in Sanaliro nahe dem Nkuringo-Sektor wurden solche Öfen bereits gebaut. Sie reduzieren den Holzverbrauch erheblich — und damit auch den Druck auf den Wald. Was zunächst wie ein technisches Detail klingt, ist in Wirklichkeit ein politisches Signal: Die Batwa werden nicht nur als Nutznießer von Naturschutzprogrammen behandelt, sondern als aktive Gestalter von Lösungen.

Ebenfalls Teil des Programms: die Ausbildung von Batwa-Gruppen in der Identifikation und Verwaltung von Projekten zur Lebensunterhaltssicherung, einschließlich der Bereitstellung von Produktionsmitteln. Und: Der geplante Visitor Information Centre (VIC) im Park soll unter Beschäftigung von Batwa gebaut werden — eine Maßnahme, die sowohl wirtschaftliche Teilhabe als auch kulturelle Sichtbarkeit schafft.

Gleichzeitig lohnt es sich, kritisch zu fragen, wie weit diese Maßnahmen tatsächlich reichen. Tourismusprojekte und Handwerksausbildungen können wirtschaftliche Ergänzungen sein — sie ersetzen aber nicht den Verlust von Land und Lebensweise. Diese Spannung ist im VMGP offen anerkannt und spiegelt sich in den anhaltenden Konsultationsprozessen wider.

Die VMGP-Revision 2025: Bedenken, Konsultationen, Erneuerung

Im Oktober 2024 — in derselben Zeit, als ich selbst sechs Tage in der Bwindi-Region verbrachte — wurde ein bedeutsamer Schritt in der Geschichte des VMGP eingeleitet. Drei Batwa-Repräsentativorganisationen — die Batwa Development Organisation (BDO), die Batwa Indigenous Development Organisation (BIDO) und die Batwa Indigenous Empowerment Organisation (BIEO) — äußerten formelle Bedenken: Einige ihrer Vorschläge seien nicht vollständig im ursprünglichen VMGP erfasst worden, und sie erhielten nicht alle antizipierten Vorteile aus der Projektumsetzung.

Diese Beschwerde löste einen umfassenden Revisionsprozess aus. Im Juli und Dezember 2025 fanden breit angelegte Konsultationsrunden statt — geplant, koordiniert und gemeinsam von UWA und dem Ministerium für Wasser und Umwelt (MWE) durchgeführt. Validierungstreffen wurden in Abstimmung mit den Batwa-Gemeinschaften und ihrer Führung organisiert, mit bewusster Beteiligung von Ältesten, Frauen und Jugendlichen. Die Termine wurden in kulturell angemessenen Räumen und zu passenden Zeiten angesetzt, mit rund zehn Tagen Vorlaufzeit.

Entscheidend: Die Treffen wurden auf Rufumbira gehalten, der lokalen Sprache, die von den Batwa-Gemeinschaften rund um den Bwindi-Park weitgehend gesprochen wird. Diese sprachliche Anpassung ist weit mehr als ein logistisches Detail — sie ist eine Grundvoraussetzung für echte Partizipation. Konsultationen in einer Sprache, die die Betroffenen nicht vollständig verstehen, sind keine Konsultationen.

Die Revision zielte darauf ab, den VMGP responsiv zu gestalten — angepasst an veränderte Bedingungen, neue Erkenntnisse und die tatsächlichen Prioritäten der Gemeinschaften. Dabei wurden auch die Grenzen des Prozesses transparent kommuniziert: Einige Vorschläge aus den Juli-2025-Konsultationen konnten nicht in die vereinbarten Maßnahmen für die nächsten sechs Monate der VMGP-Umsetzung aufgenommen werden — und den Teilnehmern wurde erklärt, warum.

Dieser Revisionsprozess ist ein Zeichen dafür, dass der VMGP als lebendes Dokument ernst genommen wird. Gleichzeitig zeigt er, wie mühsam echter partizipativer Naturschutz ist. Es reicht nicht, einmal zu konsultieren und dann weiterzumachen. Es braucht kontinuierliche Beziehungen, Vertrauen und die Bereitschaft, Fehler einzugestehen und Kurse zu korrigieren.

Akteure und Netzwerke: Wer ist beteiligt?

Der VMGP für Bwindi ist kein isoliertes Projekt einer einzelnen Behörde. Er ist eingebettet in ein breites Netzwerk von staatlichen Institutionen, NGOs, Batwa-geführten Organisationen und internationalen Partnern. Ein Überblick über die wichtigsten Akteure hilft zu verstehen, warum der Prozess so komplex — und gleichzeitig so bedeutsam — ist.

Auf staatlicher Seite sind primär die Uganda Wildlife Authority (UWA) und das Ministerium für Wasser und Umwelt (MWE) zuständig. Die UWA verwaltet den Park direkt und ist für die Umsetzung der CRM-Vereinbarungen verantwortlich. Daneben sind mehrere spezialisierte Einrichtungen eingebunden, darunter NatureUganda, das seit 2006 Vogelmonitoring in der Region durchführt, sowie das Institute of Tropical Forest Conservation (ITFC), das auf wissenschaftliche Begleitung des Waldschutzes spezialisiert ist.

Im Bereich der Batwa-geführten Organisationen sind die bereits erwähnten BDO, BIDO und BIEO die wichtigsten Vertreter. Daneben arbeiten Programme wie das Batwa Development Program, das Nkuringo Cultural Center und die Batwa Indigenous Development Organization aktiv an der kulturellen und wirtschaftlichen Stärkung der Gemeinschaften. Der Bwindi Mgahinga Conservation Trust (BMCT) spielt eine zentrale Rolle bei der Verwaltung von Community-Einnahmen aus dem Gorilla-Tourismus.

Auf NGO-Seite sind pro-biodiversity conservationists in Uganda (PROBICOU), das International Gorilla Conservation Programme (IGCP) und die Gorilla Organisation (GO) beteiligt. Conservation through Public Health (CTPH), gegründet von der ugandischen Tierärztin Gladys Kalema-Zikusoka, verbindet Gesundheitsversorgung für Mensch und Tier mit Naturschutz — ein Ansatz, der in der Bwindi-Region besonders relevant ist, da Gorillas und Menschen viele Krankheiten teilen können.

Gemeinsam bilden diese Akteure ein Ökosystem, das weit über den Park hinausreicht. Wer als Reisender das nachhaltige Reisen in Bwindi wirklich verstehen will, sollte wissen, dass hinter jedem Tourismusprodukt ein komplexes Netzwerk von Interessen, Beziehungen und Vereinbarungen steht.

Eine besondere Verpflichtung gilt dabei gegenüber den Batwa-geführten Institutionen: Im Rahmen des revidierten VMGP wurde festgehalten, dass bei der Umsetzung von Maßnahmen, die speziell Batwa-Gemeinschaften betreffen, bewusst solche Institutionen eingebunden werden sollen — im Rahmen der Anforderungen des Weltbank-Beschaffungsrahmens. Damit ist auch die internationale Finanzierungsebene präsent: Der VMGP ist teilweise mit Weltbank-Mitteln finanziert, was eigene Anforderungen an Transparenz, Partizipation und Berichterstattung mit sich bringt.

Bwindi als Modell: Was andere Schutzgebiete lernen können

Der Bwindi Impenetrable National Park ist in vielerlei Hinsicht ein Sonderfall. Er beherbergt laut dem 2025er Zensus rund 500 der weltweit verbliebenen Berggorillas — und damit etwa die Hälfte des gesamten Weltbestands. Gleichzeitig ist er mit 426 Schimpansen (ebenfalls 2025er Zählung, State of Wildlife Resources in Uganda 2026) ein wichtiges Refugium für weitere Primaten. Der Druck, diesen Park zu schützen, ist enorm — und damit auch der Druck auf die Menschen, die an seinen Grenzen leben.

Was Bwindi von vielen anderen Schutzgebieten unterscheidet, ist das Ausmaß der institutionalisierten Partizipation. Der VMGP ist kein PR-Dokument — er ist ein verbindlicher Plan mit konkreten Maßnahmen, messbaren Zielen und einem expliziten Revisionsverfahren. Das bedeutet nicht, dass alles funktioniert. Die Beschwerden der Batwa-Organisationen im Oktober 2024 zeigen, dass Partizipation keine einmalige Aktion ist, sondern ein kontinuierlicher Prozess.

Für Naturschutzfachleute und interessierte Reisende bietet Bwindi ein wertvolles Anschauungsbeispiel: wie kollaboratives Ressourcenmanagement in der Praxis aussieht, welche Hürden es gibt und wie ein adaptiver Ansatz mit Feedback-Schleifen funktionieren kann. Die kulturellen Werte der Batwa in das Management von Schutzgebieten zu integrieren und sie mit Bildung und Beschäftigung zu verbinden, die auf indigenem Wissen beruht — das ist der Anspruch, der im VMGP formuliert ist.

Interessant ist auch der Vergleich mit anderen ugandischen Nationalparks: Im Mgahinga Gorilla National Park zum Beispiel unterhält die UWA eine 16 Kilometer lange Steinmauer, um Ernteraub durch Gorillas zu verhindern (laut State of Wildlife Resources in Uganda 2026). Auch im Semuliki-Nationalpark leben Batwa-Gemeinschaften in einem vergleichbaren Spannungsfeld zwischen traditionellen Nutzungsrechten und modernen Schutzkonzepten. Bwindi ist also kein Einzelfall — aber es ist der Ort, an dem die Antworten auf diese Fragen derzeit am intensivsten erarbeitet werden.

Für Reisende, die das Community Benefit Sharing in Bwindi verstehen wollen, ist der VMGP ein zentrales Dokument. Er zeigt, dass die 800 US-Dollar, die für ein Gorilla-Trekking-Permit bezahlt werden, nicht nur in den Parkbetrieb fließen — sondern idealerweise auch in Strukturen, die den verletzlichsten Gemeinschaften an den Parkgrenzen zugutekommen.

Häufige Fragen

Was ist der VMGP und warum wurde er für die Batwa entwickelt?

Der VMGP (Vulnerable and Marginalized Group Plan) ist ein verbindlicher Managementplan, der speziell auf die Batwa-Gemeinschaften rund um den Bwindi Impenetrable National Park zugeschnitten ist. Er wurde entwickelt, weil die Batwa 1991 beim Anlegen des Parks ohne Konsultation und Entschädigung aus ihrem angestammten Lebensraum verdrängt wurden. Der Plan regelt ihre Beteiligung am Waldschutz, ihren Ressourcenzugang und Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stärkung. Er wurde im März 2023 offiziell angenommen und 2025 umfassend revidiert.

Dürfen die Batwa noch Ressourcen aus dem Bwindi-Park entnehmen?

Unter bestimmten Bedingungen ja. Im Rahmen von Collaborative Resource Management (CRM) schließt die Uganda Wildlife Authority MoUs mit Batwa-Gemeinschaften ab, die den Zugang zu bestimmten Nicht-Holz-Waldprodukten — etwa für medizinische oder rituelle Zwecke — regeln. Bedürftige Gemeinschaftsmitglieder können sich bei Ressourcennutzungsgruppen registrieren. Zwischen 2020 und 2025 wurden laut State of Wildlife Resources in Uganda 2026 jährlich 20 bis 60 solche Entnahmevorfälle dokumentiert.

Welche wirtschaftlichen Chancen haben die Batwa durch den VMGP?

Der VMGP umfasst Ausbildungsprogramme in Kunsthandwerk, Imkerei und dem Bau energieeffizienter Kochöfen. Batwa werden gezielt als Guides und Träger im Tourismus beschäftigt und sollen verstärkt am Gorilla-Tourismus partizipieren. Spezielle Marketingmaßnahmen für Batwa-Tourismusprodukte wie traditionelles Handwerk gehören ebenfalls zum Programm. Beim geplanten Visitor Information Centre im Park sollen Batwa bei der Konstruktion beschäftigt werden.

Warum wurde der VMGP 2025 revidiert?

Im Oktober 2024 äußerten drei Batwa-Repräsentativorganisationen (BDO, BIDO, BIEO) formelle Bedenken: Einige ihrer Vorschläge seien im ursprünglichen VMGP nicht vollständig erfasst worden, und sie erhielten nicht alle antizipierten Vorteile aus der Projektumsetzung. Daraufhin wurden im Juli und Dezember 2025 umfassende Konsultationsrunden durchgeführt. Die Treffen wurden auf Rufumbira abgehalten, der lokalen Sprache der Batwa-Gemeinschaften, und bezogen bewusst Älteste, Frauen und Jugendliche ein.

Wie kann ich als Reisender die Batwa-Gemeinschaften sinnvoll unterstützen?

Am direktesten durch die Teilnahme an authentischen Batwa-Kulturprogrammen und den Kauf von Batwa-Kunsthandwerk — sofern klar ist, dass der Erlös direkt den Gemeinschaften zugutekommt und nicht nur durch Mittelsmänner fließt. Der Community Walk Buhoma bietet Einblicke in Batwa-Kultur und lokale Projekte. Wichtiger ist aber die grundsätzliche Haltung: informiert reisen, lokale Strukturen respektieren und keine romantisierten Bilder von "ursprünglichem Leben" projizieren, die der komplexen Realität der Batwa nicht gerecht werden.